Antrag_bienen-+ insektenfreundliche Pflanzen 18.12.2017
Der Antrag wurde verwirklicht.
An Herrn
Oberbürgermeister Boch
Neues Rathaus
75158 Pforzheim
Pforzheim, den 18.12.2017
Bienen- und insektenfreundliche Pflanzen
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Boch,
die Gemeinderatsfraktion der Grünen Liste stellt den
Antrag:
Der Gemeinderat beschließt, die Verwaltung wird beauftragt,
künftig überwiegend bienen- und insektenfreundliche Gewächse auf den öffentlich bewirtschafteten Flächen und Pflanzschalen zu pflanzen und auszusäen. Eine Aufstellung geeigneter Pflanzen, wie Efeu und Lavendel findet sich im Bienenlexikon des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Darin sind auch Kulturobstbäume und Edelkastanie aufgeführt, die zusätzlich eine für jeden nutzbare, essbare Landschaft bilden können.
Begründung:
Nach aktuellen Studien hat die Vielfalt und Menge der Insekten in einem extremen Ausmaß abgenommen. Besonders die Bienen, wichtige Bestäuberinsekten für zahlreiche Nutzpflanzen und damit auch verantwortlich für die Menge des heimischen Obstes, haben sich stark dezimiert. Ursachen sind die zunehmend intensivierte Nutzung der Landwirtschaftsflächen mit Monokulturen und Pestiziden, zu wenig Blühstreifen und Hecken, Haltung von Nutztieren auf intensiv gedüngten Wiesen, zunehmende Versiegelung der Landschaft, zunehmende Nutzung von Laubbläsern, die Pilze, Mikroben und Hundekot verbreiten, zu wenig Totholz und Laub- oder Holzhaufen als Unterschlupf.
Schon im Sommer 2017 warnte das Bundesumweltministerium: Die Insekten haben sich seit 1982 um bis zu 80 % verringert. Bienen sind dabei auch durch den massiven Einsatz von Insektiziden wie Neonikotinoide besonders stark betroffen.
Das renommierte Wissenschaftsjournal PLOS ONE veröffentlichte im Oktober 2017 die Studie „More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas“. Diese bestätigt erstmals den Insektenschwund in Deutschland. Zahlreiche ehrenamtliche Entomologen haben wissenschaftliche Daten zwischen 1989 und 2015 an über 60 Standorten gesammelt: Mehr als 75 Prozent Verlust an Biomasse bei Fluginsekten in Schutzgebieten wurde als Trend über alle untersuchten Standorte hinweg erkannt. Der Verlust sei nicht spezifisch für bestimmte Biotope, er betrifft vielmehr das ganze Offenland. Die Ergebnisse bestätigen, dass Artengruppen wie Schmetterlinge, Wildbienen und Nachtfalter zurückgehen bei gleichzeitig drastischen Biomasseverlusten der Fluginsekten. Es betrifft nicht nur seltene und gefährdete Arten, sondern die gesamte Welt der Insekten. Für jeden wahrnehmbar ist der Rückgang der Biomasse nach einer längeren Fahrt mit einem Blick auf die Windschutzscheibe.
Dazu sind rund 60 % aller Vögel auf Insekten als Nahrungsquelle angewiesen. Seit den 90er-Jahren wird ihre Vielfalt und Anzahl regelmäßig überwacht: Auch sie ist deutlich rückläufig. Bienen und andere Insekten finden in den Städten inzwischen mehr Nahrung als auf dem Land:
Städte bieten Bienen bessere Bedingungen als landwirtschaftliche Felder und Wiesen. Eine Studie, zeigt, dass Bienenvölker in Städten höhere Honigerträge erwirtschafteten als Landvölker. In den zwei größten deutschen Städten etwa sind Bienen erheblich produktiver als anderswo: In Berlin wurden der Studie zufolge bis zu 47 Kilogramm Honig pro Volk produziert, in Hamburg sind es 40 Kilogramm – der Durchschnitt in Deutschland liege pro Jahr und Volk hingegen lediglich bei 30 Kilogramm. Bienen produzierten in Städten mitunter doppelt so viel Honig, weil das Nahrungsangebot an Blüten in städtischen Parks und Gärten größer sei. Das sollte weiter genutzt und gepflegt werden, um auch für die Zukunft eine vielfältige, lebendige Bienen- Insekten- und Vogelwelt zu erhalten.
Mit freundlichen Grüßen
Axel Baumbusch Dr. Eckard von Laue Emre Nazli
Stadtrat Stadtrat Stadtrat
Antrag ist verwirklicht.
